Von
Erich Fried kommen viele wichtige Gedichte, hier zwei davon:
Völlig veraltete Klassenkampftheorie
Was den Armen zu wünschen wäre
für eine bessere Zukunft?
Nur dass sie alle
im Kampf gegen die Reichen
so unbeirrbar sein sollen
so findig
und so beständig
wie die Reichen im Kampf
gegen die Armen sind
Erich Fried, 1921-1988
aus:
Wem gehört die Zeit, VSA Verlag Hamburg - ISBN 3-87978-398-9
aus:
"Am Rande unserer Lebenszeit"
wer will
dass die welt so bleibt
wie sie, der
will nicht, dass sie bleibt.
Erich Fried
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Drei schöne
Internet-Seiten zu Erich Fried:
http://www.erichfried.de/
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Erich Fried
Erich Fried wurde am 6. Mai 1921 in Wien geboren und wuchs dort auf. Sein
Vater war Spediteur, seine Mutter Grafikerin. Er schrieb bereits als Gymnasiast,
war Mitglied einer Kinderschauspieltruppe, bis der deutsche Einmarsch 1938 ihn
»aus einem österreichischen Oberschüler in einen verfolgten Juden
verwandelte.
Der Vater wurde von der Gestapo ermordet, Fried gelang es, nach London zu
fliehen, und in den folgenden Monaten auch seine Mutter und mehr als siebzig
andere Personen ins englische Exil zu retten.
In den Kriegsjahren hielt sich Fried mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser,
als Bibliothekar, Milchchemiker, Fabrikarbeiter. Er schloss sich dem »Freien
Deutschen Kulturbund« und »Young Austria« an, später auch dem »Kommunistischen
Jugendverband«, den er aber wegen dessen Stalinisierung bereits 1944 wieder
verließ. Im gleichen Jahr erschien sein erster Gedichtband, »Deutschland«, im
Exilverlag des österreichischen PEN.
Nach dem Krieg wird Fried Mitarbeiter an zahlreichen neugegründeten
Zeitschriften, in den frühen fünfziger Jahren festangestellter politischer
Kommentator der deutschsprachigen Sendungen der BBC;
1968 gab er wegen der unveränderten Kalten-Kriegs-Position der BBC diese Tätigkeit
auf. Schon vorher hatte er sich mit der Übersetzung von Dylan Thomas, dem
ersten größeren Gedichtband (»Gedichte«, 1958 ) und seinem einzigen Roman (»Ein
Soldat und ein Mädchen«, 1960) einen Namen gemacht, ab 1965 gehörte er der »Gruppe
47« an; in dieser Zeit entstanden auch die ersten Übersetzungen von Stücken
Shakespeares. Eine Übersiedlung von London nach Österreich oder Deutschland
wurde erwogen, wegen der Restauration der fünfziger und frühen sechziger Jahre
aber immer wieder verworfen.
1966 erschien sein Gedichtband »und Vietnam und«, der eine langandauernde
öffentliche Diskussion (auch mit Kollegen) über das politische Gedicht auslöste.
In den folgenden Jahren war Fried viel unterwegs- auf Vortragsreisen;
Diskussions- und Solidaritätsveranstaltungen ~, nahm in vielen politischen
Fragen Partei (Pressekonzentration, Unterdrückung des Prager Frühlings, Israel
und die Palästinenser, Polizeiübergriffe, Haftbedingungen politischer
Gefangener) und wurde, als Folge, mit Verleumdungen, Zensur und gerichtlicher
Klage überzogen. Er, der gegenüber dem politischen Gegner stets Liebenswürdige
und Verständnisvolle, hatte schnell mehr Feinde, als er lieben konnte.
Erst 1977 erhielt Fried den ersten ansehnlichen Preis, den »Prix
International des Editeurs«; das prämierte Buch, »l00 Gedichte ohne Vaterland«,
erschien im folgenden Jahr in sieben Sprachen (in den preisstiftenden Verlagen)
und wurde das erste erfolgreiche Buch, übertroffen lediglich von dem 1979
erschienenen Band »Liebesgedichte«. 1986 veröffentlichte er, in der losen
Form von 29 Prosastücken, seine Erinnerungen (»Mitunter sogar Lachen«).
Der Ruhm und die großen Literaturpreise (Bremer Literaturpreis, Österreichischer
Staatspreis, Georg-Büchner-Preis) erreichten Fried erst als über Sechzigjährigen
und schon lange Schwerkranken.
Erich Fried starb am 22. November 1988 während einer Lesereise und wurde auf
dem Kensal Green in London begraben.
Quelle: Band: Als ich mich nach dir verzehrte - Gedichte von
der Liebe. - Erich Fried