"Reicher Mann und armer Mann

standen da und sah'n sich an.

Und der Arme sagte bleich:

Wär' ich nicht arm, wärst Du nicht reich."

Bertolt Brecht 

 

 

Home Nach oben 2500 Jahre Reichtum Ihre Kritik!

 

Herbst 2012:   Koordinationstreffen Reichtum -   Koordinationstreffen Reichtum   in Könnern     Frühjahr/Sommer  2013:  Utopie und Eutopie    in Bielefeld        ***  

unterstützt  von der  Aktion Selbstbesteuerung ( asb)

 

Nach oben

 

 

Zum Arbeitstreffen Reichtum

Protokollnotizen RunderTischReichtum

04. Oktober 2005 in Frankfurt im DGB-Haus

 

Diskutierende: 
Katrin Fohmann (Frankenwarte
) – Andreas Gayhoff (asb) - Richard Schmid (attac) -  Gisela.Notz (Friedrich Ebert Stiftung) -
 Horst Schmitthenner  (IG Metall Verbindungsbüro soziale Bewegungen) - Margret Roelz-Langen (Aktion Selbstbesteuerung , asb) - Axel Gerntke (IG Metall Vorstand, FB Gesellschaftspolitik/Grundsatzfragen) - Ursula Mathern - Horst Trapp (Friedens-und Zukunftswerkstatt, DGB-Haus) - Frank Jäger, Geschäftsführer BAG-SHI – Anne Neuendorf (JungdemokratInnen/ Junge Linke) - Ralf Becker (Christen für Gerechte Wirtschaftsordnung) - Johannes G. Beisiegel (Attac Kiel Koord gfa) – Udo Blum (IG Metall) – Gregor Böckermann (Ordensleute für den Frieden) - Werner Rügemer (Publizist und Berater, Lehrbeauftragter an der Universität zu Köln, Transparency International, Vorstand Business Crime Control), Andreas Schüßler (BUKO, AKE, asb und verdi)

 

 

Die TeilnehmerInnen stellten sich vor mit ihrem Bezug zum Thema.
Aspekte/Statements/Motivationen waren hier u.a.:

 

Besonderes Interesse am Thema Umverteilung, Geldsystem und Zinsfragen

„Der Kapitalismus geht über Leichen“

Interesse an der Frage nach globalen Tarifverträgen/ Einkommensmaximum etc..

Bisher wenig Auseinandersetzung; gewisse Sorge vor „Neidkomplexen“

Kirchlich motiviertes Interesse am Thema, bisher immer nur über Armut gesprochen

Es gibt so viele gescheiterte Programme zur Bekämpfung der Armut, warum gibt es kein einziges Programm zur Bekämpfung des Reichtums

 

 

 

Referat Werner Rügemer, u.a. mit den  Aspekten:  

Wie entsteht Reichtum? Was ist Reichtum? Und wofür wird Reichtum (außer für Luxus) verwendet? Reichtum ist ein Tabuthema, v.a. hinsichtlich des ursächlichen Zusammenhangs zwischen Armut und Reichtum.

Diese Fragen werden in der gesellschaftlichen Diskussion systematisch ausgeblendet. Reichtum ist Tabu-Thema, v.a. wenn es um den Zusammenhang zwischen Armut und Reichtum geht.

Mit Armut kennen „wir“ uns aus, im Armut-Reichtumsbericht fehlen allerdings genauere Informationen zum Thema Reichtum, es gibt Verweise auf fehlende Daten, seit der Abschaffung der Vermögenssteuer, mit der Höhe der zu veranlagenden Summe. Andererseits beweisen Presse-Artikel, dass es Informationsquellen zu geben scheint...

Einerseits mediatisierte Empörung über hohe Einkommen der Vorstandsvorstände wie Ackermann (allerdings ohne weitere Angaben über zusätzliche legale Nebenverdienste; Nebeneinkommen sind oft Haupteinkommen) – aber auch ernst gemeinte Artikel: „2004 war kein gutes Jahr für Millionäre“ (FAZ). Es wird nur von Millionären gesprochen, die mehr als eine Million anlegen können; aber es wird nicht von den Hauptaktionären u.ä. gesprochen, deren Gewinne ungleich höher sind als die „skandalösesten“ Gehälter von Ackermann & Co.

Die eigene Firma wird vom Topmanagement und den Hauptaktionären ausgenommen, zusätzlich zur „normalen“ Ausbeutung der Beschäftigten.

Durch Arbeit wird niemand reich, es ist ein Märchen, dass man/ frau durch Arbeit der Armut entkommt.

Im Kapitalismus bin ich reich, wenn ich ein berufsunabhängiges, hohes, kontinuierliches Einkommen aus privaten Eigentumstiteln und somit direkt oder indirekt Zugriff auf den Arbeitsertrag anderer Menschen habe, die in einem kapitalistischen Arbeitsverhältnis stehen.

Das „Lebenslage-Konzept“ (z.B. im Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung) blendet die Entstehung von Armut und Reichtum und ihren ursächlichen Zusammenhang aus. Es reduziert den Reichtum auf „viel Geld haben“ und blendet den Einsatz des Reichtums als Kapital aus. Der „skandalöse“ Reichtum besteht nicht im „viel Geld auf dem Konto haben“ oder „sich viel leisten können“, sondern in der Verwendung des Reichtums als Kapital, das die Beschäftigten ausbeutet, krank und/oder arbeitslos machen kann, Umwelt zerstört, zum Krieg treibt

Wir müssen eigene Analysen machen: Wie entsteht Reichtum? Wo nimmt der Reichtum Formen der Zerstörung des Gemeinschaftsgutes an? Was sind Techniken der „Heuschrecken“?
Hier geht es (nicht nur für GewerkschaftlerInnen) auch darum, sich im Lesen von Bilanzen zu üben, die Finanz- und Gewinnsituation des (eigenen) Betriebs wirklich kennen zu lernen (Die Deutsche Bank besteht aus 2300 Einzelunternehmen). Aber nicht nur im „Lesen von Bilanzen“, sondern auch im Erkennen von Bilanzfälschungen (das geht in der Regel nicht durch Lesen der Bilanz, sondern durch Beschaffen zusätzlicher Informationen)

Es geht auch darum, die Privatisierung kommunaler Unternehmen (Müll, Gas, Strom) zu stoppen.

 

 

Stichworte aus der Diskussion:  

Problem ist auch die mediale Aufarbeitung des Themas: In den Medien gibt es vorrangig durchschnittlichen Einheitsbrei, es ist schwer, mit anderen Inhalten ins Programm, in die Zeitung zu kommen. – man müsste mit dem aktuellen Wissen stärker an die Öffentlichkeit. Es sollte uns um „Kampf um die Köpfe“, um die Hoheit über Definitionen gehen.

Gewerkschaften sind derzeit in der Defensive, es gibt heftige Diskussion um Mitglieder und Ressourcen. Das Haupthandlungsfeld ist hier Tarifpolitik und Betriebspolitik, deshalb gibt es kaum Geld für allgemein-politische Themen (wie z.B. Thema Reichtum).

Es geht darum, diese Vorgabe zu hinterfragen und genauer hinzusehen. – Blick auf Betriebsversammlungen etc. – genauere Unternehmensanalysen –  Ertüchtigung in Tarifpolitik

Entweder: Programmatischer Abschied von der sozialen Verpflichtung des Eigentums oder: programmatische soziale Entpflichtung des Eigentums.

Ab wann ist Reichtum skandalös? Ist Erben von großen Geldvermögen legitim (Rechtfertigung des Reichtums mit der Arbeitsleistung der Vorgeneration(en).

Die historische Komponente: Kolonialismus und Sklavenhandel sind Grundlage für die Anhäufung des Reichtums in Europa. 1999 wurde erstmals[1] eine konkrete Summe für den wieder“gut“zumachenden Schaden benannt: 777 Billionen Dollar - in etwa das 3 500fache der derzeitigen Schulden Schwarzafrikas. Es geht um die internationale Perspektive in der Reichtumsdiskussion – Hier geht es auch um Reparationszahlungen für die deutsche Kolonialzeit

Wir verfügen über einen alltäglichen, lokalen Reichtum, den es zu verteidigen gilt. Die neoliberale Globalisierungspolitik zielt demgegenüber darauf, immer weitere Subsistenzbereiche zu kommerzialisieren und einer anonymisierten Marktwirtschaft einzuverleiben. Es gibt täglichen Diebstahl von öffentlichem Reichtum wie Daseinsvorsorge etc. 

Stichwort Vermögen/Kapital: Der Wert der Aktienpakete ist kein reales Vermögen/ Wert der Unternehmen, sondern der erwartete Zuwachs des Unternehmens. Mit diesen nicht realen Vermögenswerten kann man/ frau sich aber in reale Unternehmen einkaufen.

Hinweis auf Bremer Finanzwissenschaftler, Prof. Arno Gahrmann: „Zukunft kann man nicht kaufen“

Weniger „gegen Reichtum“ thematisieren, lieber den Zusammenhang zwischen Armut und Quellen des Reichtums aufzeichnen.

Anknüpfungspunkte mit den Gewerkschaften suchen – aktuelle Themen (Tarifautonomie) und Standortbestimmungsproblem der Gewerkschaften mit integrieren.

 

Konsequenzen, persönliches Fazit und weitere Pläne  

Gewünscht: Im Diskurs über Reichtum auch Lösungsvorschläge wie Schuldenerlass etc. aufzeigen

Auch andere Initiativen haben mal klein angefangen: SDS in den 60ern, aber auch erlassjahr.de

Gewerkschaften und soziale Bewegungen müssten sich hier ergänzen – ein minimaler Aufbruch ist schon zu spüren

Genannt wurde das Beispiel Frankfurt: Wissenschaftler-Kreis – „Armutsbericht“ – die gesellschaftliche Debatte ist bereits angestoßen

Reichtum ist nicht nur Geld – Reichtum ist auch Vielfalt – Geldanlage z.B. in Zukunftssicherung – sich stärker „für etwas“ einbringen

gewünscht wird eine Aktion als Zeichen für die Öffentlichkeit

Das Ganze unter „Demokratieaspekten“ betrachten: Macht ballt sich da, wo Geld ist – soziale Grundsicherung sollte mit aufgegriffen werden

Wir müssen positiv formulieren! Wofür sind wir...

Hoffnung auf runden Tisch in Halle im nächsten Jahr

Auch Konzepte für Erziehung mit berücksichtigen – gegen die Ungerechtigkeiten in der Welt

Anderes Umgehen mit Reichtum: Bewegungsstiftung

Spürbar wird die Wut in der Auseinandersetzung mit diesem Thema – das Beispiel der Montagsdemos in der DDR zeigte, wohin das führen könnte. Verbreiterung des Thema Reichtum tut Not  

 

Vorschläge zu nächsten Schritten:

 

alternativer Armut-Reichtumsbericht

Fokus konkreter fassen, um so konkrete Zielgruppen anzusprechen – Beispiel Gewerkschaften

Kreis der Aktiven erhöhen (Netzwerke nutzen: JungdemokratInnen, IG Metall, BUKO, Sozialforen, ChristInnen für gerechte Wirtschaftordnung)

Öffentlichkeit schaffen(mit Zeitungsbeilagen zum Thema)

„Drei Säulen“: 
Alternativer Armuts- und Reichtumsbericht
Intensivere Öffentlichkeitsarbeit
Runder Tisch Reichtum in Halle

   


Konkrete Projekte:

 

E-Mail mit Protokoll geht an alle TeilnehmerInnen und an InteressentInnen -  ggf. später mail-Diskussionskreis zum Thema Reichtum  

auf Anforderung email-Diskussion reichtumskritik

Arbeitskreis alternativer Armut- und Reichtumsbericht 
Arbeitskreis Öffentlichkeitsarbeit 
Vorbereitung Reichtumsforum in Würzburg

 

 

Forum Reichtum  

„Wär ich nicht arm, wärst Du nicht reich“, so ließ Bert Brecht den Armen zum reichen Mann sprechen. In unseren Tagen sind Besitzverhältnisse national als auch international genau so klar: Die Reichen immer reicher, die Armen immer zahlreicher. Dabei wird die „Bekämpfung der Armut“ mit internationalen Aktionsplänen und Programmen zwar thematisiert; die Folgen des Reichtums hingegen bleiben weiterhin tabuisiert.

 

Hier setzt das Reichtumsforum an. Wir wollen Bilanz ziehen – sowohl in nationaler als auch internationaler Sicht. Was heißt es heute, reich zu sein. Wann bedroht Reichtum das Wohl der Gesellschaft? Was sind das für Dynamiken, die kleine Teile der (Welt-) Gesellschaft so unermesslich reich machen und wie ist der politische Umgang mit diesem Anhäufen von Besitz und Macht?

 

Kirchen, Gewerkschaften, Sozialverbände oder engagierte BürgerInnen –alle sind eingeladen, sich mit „Haben und Sein“ auseinander zu setzen, die öffentliche Diskussion über zukunftsweisendere politische Wege mit uns zu gehen.

 

 

 


[1]  Quelle; »African World Reparations and Repatriations Truth Commission«

 

 

 

 

----------------------------------

DasReichtumProjekt:

Es findet eine stetige Umverteilung von unten nach oben statt. Es ist dringend die Zeit, Bilanz zu ziehen, wie unermesslich reich kleine Teile der Gesellschaft geworden sind, wodurch sie reich geworden sind und wie mit diesem unvorstellbaren Reichtum (politisch) umgegangen wird. Dies gilt auch international: Der Abstand zwischen „Nord“ und „Süd“ beim Pro-Kopf-Einkommen verdreifachte sich allein zwischen 1960 und 1993.

Es gibt unzählige Programme, Ideen, Thesen zur Bekämpfung der Armut - sowohl international wie auch national. Alle sind sie im Wesentlichen gescheitert. 
Dies führt auf die Fragestellung hin:

Warum gibt es eigentlich noch immer kein einziges Programm zur Bekämpfung des Reichtums?

 

 

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Reichtumskritik
Südfeldstr. 4, 32602 Vlotho
Tel: 05733 - 9 57 37
FAX: 05733 - 18 15 4
Internet: reichtumskritik@arcor.de

 

 

Home ] Nach oben ]

E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an: reichtumskritik@arcor.de 
Copyright © 1989 Reichtumskritik 
Stand: 15. September 2010