www.deutschland-postkolonial.com/
lokale Initiativen kennen wir aus vielen
Städten, so z.B.
http://www.freiburg-postkolonial.de/
http://www.hamburg-postkolonial.de/
http://www.kopfwelten.org/kp/
eine komplettere Liste findet sich
http://www.freiburg-postkolonial.de/Seiten/links.htm#lokale
Liste von Städte mit kolonialen
Straßennamen
http://www.freedom-roads.de/nstaedte.htm
Hier Infos zur Initiative aus Bielefeld:
http://www.webwecker-bielefeld.de/11482.0.html
Kauft
deutsche Bananen! Kolonialwaren und ihr Handel in Bielefeld
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GESCHICHTE WIRD GEMACHT.
Eine sehr gute Nachricht:
"Zum ersten Mal in Deutschland wurde der Name eines Akteurs des
Kolonialismus auf einem Straßenschild ersetzt durch den Namen einer Person, die
sich kritisch mit Kolonialismus und Rassismus auseinandergesetzt und gegen deren
Folgen gekämpft hat."
Das ehemalige "Gröbenufer" in Berlin heißt jetzt May Ayim-Ufer.
Dass dieser Erfolg von vielen Initiativen und Einzelpersonen hart erkämpft
werden musste, ist eine Sache. Leider wurde die Umbenennung darüber hinaus
nicht überall als das positive Signal anerkannt, das sie zweifellos darstellt.
Einigen Organen der Mehrheitspresse diente der Vorgang bedauerlicherweise als
Anlass für reaktionären und kolonialverharmlosenden Backlash.
In unserem SCHWARZEN BLOG finden sich Einträge und Meinungen dazu, sowie
eine Dokumentation vieler wichtiger Aktionen zum 125. Jahrestag der Berliner
"Afrika-Konferenz".
Eine Übersicht der Beiträge zu diesem Thema finden Sie hier: http://blog.derbraunemob.info/?s=kolonial
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Wieder
"Afrika-Tage" in deutschen Zoos - Solidarität gefragt.
aktuell:
Wieder Afrikaner_innen in deutschen
Zoos.
Gleich zwei deutsche Tierparks wollen in den kommenden Tagen
"afrikanische" Tage veranstalten.
Und zwar mit besonders rassistischen Konnotationen (Berlin:
Namibia-Tage
im Zoo anlässlich des Jubiläums
"20
Jahre Unabhängigkeit für Namibia"!; Eberswalde: "Genießen
Sie afrikanisches Flair mit
temperamentvoller
Live-Musik und Tanz der Band (...) aus dem Kongo. Diese Veranstaltung
soll die Volksgruppe der San, den "letzten ersten Menschen", durch
Hilfe zur Selbsthilfe bei der
sanften
Integration in unsere moderne Zeit unterstützen.")
Die Veranstaltungen werden wir wohl nicht mehr aufhalten können, rufen jedoch
zu internationalen Protesten auf!
Bitte protestieren Sie! Zum Beispiel
per Mail an die Zoodirektionen, um zu erreichen, dass die deutsche
Geschichtsblindheit und die Verortung afrikanischer Menschen und Kulturen in
Tierparks endlich aufhört!
Alle Kontakte und Infos, auch auf englisch:
http://wp.me/pkhaH-Di (deutsch)
http://wp.me/pkhaH-E9 (english)
Falls sich bei Ihnen immer noch alles um Fußball
dreht, besuchen Sie doch gerne mal unseren Schwarzen Blog, um sich dort
über die
Ansichten
von FIFA und Jogi Löw zum Thema "genetische" (sic) Prädispositionen
von "Afrikanern" zu informieren.
Diejenigen von Ihnen, die zurzeit in Berlin sind, werden bei den
WM-Veranstaltungen
im Haus der Kulturen der Welt in Berlin bei public viewing und viel Kultur
sicherlich für die teilweise sehr bizarre Berichterstattung der TV Sender
entschädigt werden.
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Aus: http://www.webwecker-bielefeld.de/
- 17.Mai 2006
Bielefeld und Carl Peters
(17.05.2006)
Gehören zum Gründungs- und
UnterstützerInnenkreis von
›Bielefeld postkolonial‹ (v.l.n.r.): Andreas Schüßler, Johannes Augel,
Frigga Tiletschke, Hans Walter Schmuhl, Christoph Beninde, Arnold Schulze,
Barbara Schmidt, Barbara Frey, Klaus Rees
Von Manfred Horn
Bielefeld hat eine Kolonialgeschichte, die bisher in der Öffentlichkeit wenig
bekannt ist. Ändern will dies ein neuer Arbeitskreis ›Bielefeld
postkolonial‹. Der trat am Dienstag Abend im Haus der Kirche erstmals an die
Öffentlichkeit. Die Bielefelder Historikerin Frigga Tiletschke und Hans-Walter
Schmuhl, Geschichtsprofessor an der Universität Bielefeld, führten in das
Thema ein. Dabei standen zwei Dinge im Vordergrund: Die Geschichten der
Bethel-Mission und die von Carl Peters.
Nach Carl Peters ist in Bielefeld eine Straße in Stieghorst benannt. Wie Frigga
Tiletschke bei der Veranstaltung berichtete, entschied sich der Rat der Stadt
1963 einstimmig dafür. Die ›Freie Presse‹, der Vorläufer der ›NW‹,
schrieb damals: »Die Auswahl wurde im wesentlichen von der Erinnerung an
Forscher und an die Heimat der Ostvertriebenen bestimmt«. So wurde aus der
Planstraße 1069 die Karl-Peters Straße. Kein Ratsmitglied beanstandete, dass
sich in der Tagesordnung ein Rechtschreibfehler eingeschlichen hatte. Hier nämlich
war von einer »Karl-Peters-Straße« die Rede. »Carl Peters«, der
Afrika-Forscher, aber schrieb seinen Vornamen mit »C«.
»Zu viele Unannehmlichkeiten«
Nun, über 40 Jahre später, stellt der Arbeitskreis ›Bielefeld
postkolonial‹ Peters in die Öffentlichkeit. Der Name tauchte schon mal 1988
auf. Damals gab es von Bürgern Versuche, die Straße umzubenennen. Dies wurde
jedoch vom Bezirksamt Heepen mit dem Hinweis abgewiesen, dass Peters ja bereits
1918 gestorben sei und dass eine Umbenennung den Anwohnern zu viele
Unannehmlichkeiten machen würde.
2001 versuchte Johannes Augel, ehemals Privatdozent an der Fakultät für
Soziologie der Universität, es noch einmal. Obwohl dem Oberbürgermeister und
dem Rat der Stadt eine Biographie von Peters zur Verfügung gestellt wurde,
berichtete am 18. April 2002 Bezirksvorsteher Gerhard Henrichsmeier, »dass die
Fraktionen und Parteien über die Anregung eines Bürgers zur Umbenennung der
Karl-Peters-Straße beraten hätten mit dem Ergebnis, dass eine Umbenennung
nicht folgen solle. Ohne Aussprache wird die Umbenennung einstimmig abgelehnt«.
Wer aber war Carl Peters? Hans-Ulrich Wehler, Bielefelder Historiker, schrieb über
Peters: »Es gibt vielleicht kein vernichtenderes Urteil über die deutsche
Kolonialbewegung bis 1945, als dass sie einen erfolgsarmen, gerichtsnotorisch
kriminellen Psychopathen als eine ihrer Leitfiguren sah«. Frigga Tiletschke hat
sich eingehend mit der Person beschäftigt: Geboren wurde Peters 1856 in Neuhaus
an der Elbe. Er studierte in Göttingen, 1880 hatte er sein Oberlehrerexamen.
Doch er ging nicht in den Schuldienst sondern nach England. Dort blieb er drei
Jahre, war tief beeindruckt von der britischen Kolonialpolitik und kehrte zurück
mit der Idee, Deutschland zur Kolonialmacht in Afrika zu machen. »Dies als 25jähriger
Lehramtsanwärter und nicht etwa als Staatsbeamter oder Politiker irgendeiner
Partei«, betont Tiletschke. Dennoch begann Peters nach seiner Rückkehr nach
Deutschland 1883 durch Vorträge und Publikationen für seine
kolonialpolitischen Vorstellungen zu werben. Zugleich habilierte er und wurde
Professor der Philosophie.
1884 gründete Peters die ›Gesellschaft für deutsche Kolonisation‹, aus der
die ›Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft‹ hervorging. Diese Gesellschaft
war mit erheblichen finanziellen Mitteln von Adel, Militär, Staatsbeamten,
Fabrikanten ausgestattet. Unter anderem gehörte dazu das Bankhaus Heydt-Kersten
& Söhne aus Wuppertal-Elberfeld, welches 1932 mit der Commerzbank
fusionierte, fand Tiletschke heraus.
Frigga Tiletschke fragt: »Ist nicht letztlich auch die
Entscheidung des Bielefelder Rats von 1963, Carl Peters eine Straße zu widmen,
eine Rehabilitation brutalen Eroberungs- und Ausbeutungsdenkens unter dem Deckmäntelchen
›Afrikaforscher «?
Im Auftrag dieser Privatgesellschaft führte Peters 1884 die so genannte
Usagara-Expedition durch. Diese hatte zum Ziel, durch in korrektem Amtsdeutsch
formulierte Scheinverträge, die Häuptlinge der angestrebten Gebiete zur
Abtretung ihrer Souveränität zu bringen. Im Gegenzug wurde ihnen militärischer
Schutz des Deutschen Reiches vor kriegerischen Auseinandersetzungen mit anderen
afrikanischen Völkern zugesagt.
Allerdings gab es – obwohl Peters die kaiserliche Fahne mit sich führte und
sich gegenüber den afrikanischen Völkern als Vertreter des deutschen Reiches
repräsentierte – weder einen offiziellen Auftrag, noch konnte der zugesagte
militärische Schutz überhaupt geleistet werden. Die Häuptlinge mussten einen
anderen Eindruck haben, denn Peters reiste nicht allein durch Afrika, sondern
war von einer auf Kosten der Gesellschaft angeheuerten Söldnertruppe begleitet,
den so genannten Askaris. Dies waren Angehörige anderer Stämme, größtenteils
Sudanesen, die sich ihren Lebensunterhalt als berufsmäßige Söldner auch für
andere europäische Kolonialmächte verdienten und die für ihre Brutalität
bekannt waren.
»Fetzen Papier mit Negerkreuzen«
Tiletschke ordnet die Expeditionen Peters als »private Kriegszüge« ein.
Peters schaffte es in wenigen Wochen, mit Hilfe von Alkohol, wertlosen
Geschenken, und der Waffengewalt der Askari-Söldner, etliche afrikanische Häuptlinge
zur »Unterschrift« – die in der Regel schriftunkundigen Afrikaner
unterzeichneten mit einem Kreuz – unter die so genannten Schutzverträge zu
bringen und so ein Gebiet von 12.000 Quadratkilometern, zu deutschen Grund und
Boden zu erklären. Dass diese Verträge auch nach damaligem deutschen
Rechtsverständnis keinerlei Rechtsgültigkeit hatten, war Peters bekannt. Aber
da nach seinen Aussagen alle europäischen Kolonialmächte so verfuhren, war für
Peters ein solches Vorgehen mehr als gerechtfertigt.
Die einzige Frage nach Legalität berührte die Anerkennung der Annexionen durch
die Reichsregierung. Ende 1884 konnte Peters Bismarck seine »Verträge«
vorlegen. Diese wurden von Bismarck verächtlich »Fetzen Papier mit
Negerkreuzen« genannt, wurden jedoch nach Rücksicherung der politischen Lage
zu den anderen europäischen Kolonialmächten für rechtsgültig erklärt.
Peters und seine Gesellschaft erhielten am 1885 den kaiserlichen Schutzbrief,
der den militärischen Schutz des »Eigentums« der Gesellschaft in Afrika
sicherstellte und Peters zur Errichtung einer Verwaltung, der Erhebung von
Steuern und der Ausbeutung von Bodenschätzen legitimierte. Tiletschke berichtet
weiter, dass Peters von 1887 bis 1889 auch Präsident der Deutschen
Kolonialgesellschaft war, die unter anderem für eine Stärkung der
Flottenpolitik agierte. 1888 schied Peters aus dem Vorstand der
Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft aus. 1889 bis 1890 führte Peters
ebenfalls im Auftrag und auf Rechnung der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft
einen weiteren Kriegszug in Afrika aus, um dem bereits annektierten Gebiet
weitere Gebiete in Uganda hinzuzufügen und so einen deutschen Korridor bis zum
Nil zu schaffen.
Gegenüber der Öffentlichkeit sollte vorgeblich ein aufgrund eines
Aufstandes eingeschlossener deutschen Arzt gerettet werden. Das in der Presse
herzergreifend geschilderte Schicksal des Deutschen in Afrika rief eine wahre
Spendenflut hervor, die die Finanzierung des Peterschen Feldzugs garantierte. Über
diesen Feldzug hat Peters 1909 ein ausführliches Buch verfasst, in dem er sein
brutales Vorgehen in Afrika detailliert schildert und rechtfertigt.
Peters Ziel, Gesamtzentralafrika bis zum Nil unter deutsche Herrschaft – oder
genauer – unter die Herrschaft der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft zu
stellen, erhielt durch den Helgoland-Sanisbar-Vertrag zwischen Deutschland und
England einen empfindlichen Rückschlag. Peters große Annexionspläne
scheiterten. Aber sein brutales Vorgehen, sicherte ihm schon vor Erscheinen des
Buches einen umstrittenen Widerhall in Deutschland: von begeisterter Zustimmung
bis empörter Anprangerung und in Afrika den Ruf »Mann mit den blutigen Händen«,
wie Tiletschke berichtet.
Peters großes politisches Ziel war es, Gouverneur in Ostafrika im Auftrage
der deutschen Reichsregierung zu werden. Trotz der Einfädelung eines breiten
Freundschafts- und Intrigennetzes gelang ihm dies nicht, resümiert Tiletschke.
Er musste sich 1891 mit dem Posten des »Reichskommissars zur Verfügung des
Gouverneurs« zufrieden geben, mit dem offiziellen Auftrag die
Kilimandscharo-Region gegen die Ansprüche der Engländer zu vermessen. Die in
diesem Zusammenhang unstrittige eigenmächtige Hinrichtung von zwei Afrikanern,
einer Frau und einem Mann, die durch die Anschuldigungen von August Bebel im
Reichstag 1895 an die Öffentlichkeit gelangten und eine erregte öffentliche
Diskussion hervorriefen, führten zur Einsetzung eines Untersuchungsausschusses
und eines Disziplinarverfahrens.
Vom Kaiser rehabilitiert
Öffentlicher Druck sorgte dafür, dass Peters 1897 aus dem Staatsdienst
entlassen wurde. Er ging dann nach England, von wo aus er mehrere Expeditionen
nach Angola und Rhodesien unternahm. Mit Beginn des 1.Weltkrieges kehrte er
jedoch nach Deutschland zurück, wo er vor allem zahlreiche Schriften und Aufsätze
veröffentlichte. 1914 wurde Peters, der bereits 1905 mit dem Recht zur Führung
des Titels »Reichskommissar a. D.« rehabilitiert worden war, »in Würdigung
seiner großen Verdienste um Deutsch-Ostafrika« vom Kaiser eine jährliche
Pension bewilligt. Peters starb 1918 im Alter von fast 62 Jahren.
Was tun mit einem solchen Straßennamen? Christoph Beninde vom Arbeitskreis
›Bielefeld postkolonial‹ gab nach aus dem umfassenden Vortag von Frigga
Tiletschke zu, dass es dazu im Arbeitskreis noch keine abschließende Meinung
gebe. Naheliegend, zu fordern, dass die Straße umbenannt werden muss. Denkbar
ist aber auch, den Straßennamen zu erhalten, ihn durch ein Hinweisschild zu ergänzen
und in der Stadt eine Debatte um das koloniale Erbe anzuzetteln.
Der Arbeitskreis ›Bielefeld postkolonial‹ hat für die folgenden Monate
weitere Veranstaltungen angekündigt. Kontakt zum Arbeitskreis über Christoph
Beninde, fon 0521-9864852, mail bi-postkolonial@welthaus.de
Sie können im WebWecker einen Artikel über die Geschichte
der Bethel-Mission lesen.
http://www.webwecker-bielefeld.de/
Weitere Infos:
Artikel
aus der Neuen Westfälischen Zeitung zu diesem Abend
Was
hat Kolonialismus mit Bielefeld zu tun?