Herbst 2012: Koordinationstreffen Reichtum - Koordinationstreffen Reichtum in Könnern Frühjahr/Sommer 2013: Utopie und Eutopie in Bielefeld ***
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Reichtumstagung in Bielefeld Bericht zur Tagung AKE-asb-BUKO-attacBi-rosaLux-Seminar:
Des Reichtums globale Spielregeln
Für
ein Programm zur Bekämpfung des Reichtums Ernst
Standhartiger für den asb-Rundbrief 4-2003 Am Freitag Abend führten zunächst Prof. Elmar Altvater und Professorin Ingrid Kurz-Scherf in das Thema ein. Prof. Altvater zeigte dabei auf, dass es von Christi Geburt bis etwa Mitte des 19. Jhdts. weltweit praktisch kein wirtschaftliches Wachstum gab. Danach hat die Möglichkeit, durch Kapitalakkumulation die Produktion zu vervielfachen zu einem enormen Wohlstandswachstum geführt, verbunden jedoch mit einer extrem ungleichen Verteilung. Deshalb steht für ihn fest: Reichtumskritik heißt zwingend: Kapitalismuskritik. Professorin Kurz-Scherf stimmte der Analyse von Prof. Altvater zwar weitgehend zu, warnte jedoch davor, immer schon die Antworten wissen zu wollen, ehe überhaupt die Fragen geklärt sind. Antworten aus der Mitte des 19. Jahrhunderts können nicht ungeprüft auf die Situation des beginnenden 21. Jahrhunderts übertragen werden. Als Beispiel nannte sie die Gender-Frage, die damals ja völlig
übersehen wurde, bei der sich inzwischen aber eindeutig erwiesen hat, dass die
Ungleichheit zwischen Männern und Frauen auch in vermeintlich sozialistischen
Gesellschaften nicht überwunden wurde. Außerdem macht sie deutlich, dass ein
Programm zur Bekämpfung des Reichtums zwar zwingend notwendig ist, dass aber
die gewählte Begrifflichkeit kontraproduktiv ist. Denn „Reichtum“ wird vom
allgemeinen Bewusstsein nicht als soziale Gefahr und Ursache für Armut gesehen,
sondern eher als Traumziel empfunden. „Alle“ träumen davon, eines Tages
reich zu sein ... 2 Foren zu internationalen Aspekten Am Samstag gab es dann 4 Arbeitsgruppen, zwei am Vormittag und zwei am Nachmittag. Ich war vormittags in der Gruppe, die sich mit historischen Beispielen von Reichtumsanhäufung beschäftigte. Nach einer Einführung in die psycho-sozialen Voraussetzungen, die den europäischen Kolonialismus möglich gemacht haben, wurden zwei konkrete Handlungsmodelle zur Überwindung von neueren Folgen dieses Kolonialismus vorgestellt und diskutiert. Susanne Luitlen von erlassjahr.de erklärte die Funktionsweise und die Notwendigkeit des geforderten „Fairen und Transparenten Schiedsverfahrens“ für die Tilgung der Auslandsschulden der armen Länder. Christoph Beninde vom Welthaus Bielefeld referierte über die Hintergründe und Schwierigkeiten der möglichen Sammelklagen gegen Firmen, die gegen UNO-Beschlüsse verstießen, indem sie das Apartheidregime in Südafrika unterstützt haben. Aus Deutschland sind dies vor allem die Deutsche Bank, die Commerzbank, die Dresdener Bank, die Hypo-Vereinsbank und die Fa. Rheinmetall.
Seit 1980 lagen die jährlich aus Kapitalbesitz erwirtschafteten Zinsen im Durchschnitt um rund 2,3 % höher als das Wirtschaftswachstum. Diese Zinsen müssen von den Gesellschaften aus der Substanz bezahlt werden. Dies trifft besonders schlimm die Entwicklungsländer, die mit Hilfe der Schuldenkrise ab 1982 zur völligen Öffnung ihrer Finanzmärkte gezwungen wurden. Weil ihnen kein Kapital bleibt, um ihre öffentlichen Aufgaben wahrnehmen zu können, sind sie zunehmend gezwungen, sich den Wünschen privater Unternehmer auf Übernahme der gesellschaftlichen Infrastruktur zu beugen. Der nationale Aspekt Nachmittags war ich bei Horst Schmitthenner von der IG
Metall, der über tarifpolitische Probleme und Perspektiven im
Shareholder-Kapitalismus sprach. Ich wusste dabei nicht so recht, was daran
spannend sein sollte, merkte aber, dass viele der im Saal Anwesenden sehr
engagiert aus gewerkschaftlicher Sicht nachfragten und mitdiskutierten. Offenbar
war Schmitthenners Beitrag also durchaus interessant und wichtig, nur eben nicht
unbedingt für mich.Astrid war in der Arbeitsgruppe über Steuerpolitik in
Deutschland. Die fand sie zu sehr an reiner Faktenaufzählung ausgerichtet, ohne
dass Handlungsperspektiven sichtbar wurden. Ergebnisse
Am Sonntag sollte dann ein „Bielefelder Manifest gegen
den Reichtum“ entstehen. Dazu sollte eine Arbeitsgruppe einen Entwurf
vorbereiten, parallel zu den Referaten von Dr. Gisela Notz und Dr. Veronika
Bennholdt-Thomsen. Als sich dafür nur lauter Männer meldeten, gab es Poteste
mehrerer Frauen. Allerdings wollte von ihnen aber trotzdem niemand an dieser
Parallelarbeitsgruppe mitarbeiten, weil sie ja schließlich auf die beiden
Referate zu Genderaspekten der Armut-/ Reichtumsfrage gespannt waren. So blieb
nur eine kurze Redaktionssitzung in der Kaffeepause, bei der aber trotzdem ein
Text zustande kam, der vom Plenum mit Beifall aufgenommen wurde. Mit einigen Ergänzungswünschen
soll er nun vom Bielefelder Vorbereitungskreis zu Ende formuliert werden. (Text
unter Aufnahme von Ergänzungswünschen) Mein Fazit: Es war ein lohnendes und interessantes
Wochenende mit vielen neuen Anregungen, das Mut machte, aber auch zeigte, wie
unendlich schwer es ist, unter den gegebenen Voraussetzungen die
„Stellschrauben“ in den Griff zu bekommen, mit deren Hilfe das Wachstum des
Reichtums der Reichen gestoppt und eine gerechte Umverteilung von oben nach
unten in die Wege geleitet werden kann. Die aber ist nötig, denn sonst bliebe
tatsächlich nur die Alternative eines immer noch größeren Sozialabbaus, damit
die Reichen auch ohne Wirtschaftswachstum immer
noch reicher werden können. Ernst Standhartinger
Diskussion der TagungsteilnehmerInnen
Von Manfred Horn Gisela Notz, wissenschaftliche Referentin bei der Friedrich-Ebert-Stiftung, hob hervor, dass 70 Prozent der Armen weiblich sind. Sie forderte freien Zugang zu Ressourcen und Projekten für alle Menschen. Positiv wie praktisch betonte sie Gegenkulturen, die sich mit sozialen und ökologischen Schäden auseinandersetzen. Notz plädierte auch für eine Bewusstseinsverstärkung: Kinder müssten gelehrt werden, dass Menschen Hunger leiden. Ein Teil ihrer Gegenvision ist, die »fremdbestimmte kapitalistische Lohnarbeit« abzuschaffen. Sie forderte mit Adorno dazu auf, jetzt mit der Umsetzung von Gegenvisionen zu beginnen und dabei direkt an den gesellschaftlichen Wurzeln zu rühren, die die Kälte produzieren. Und im Unterschied zu
Bennholdt-Thomsen, mit der Notz an vielen Punkten übereinstimmte, sprach sie
davon, Widerstand gegen das neoliberale System über die Grenzen hinaus zu
organisieren. Bennholdt-Thomsen nahm das Globale zwar auch in den Blick,
forderte auf der praktischen Seite aber, im Lokalen mit den Veränderungen
anzufangen, im Konsumverhalten und in der Nachbarschaft. Diese Perspektive führte
Bennholdt-Thomsen sogar dazu, für ein Schutz des lokalen Gewerbes zu plädieren.
Es sei zu schützen vor dem Zugriff der Shopping-Malls. Dort werde Markt nur
noch inszeniert: »Wir müssen das transnationale Kapital raushalten«, sagte
sie und bezog sich ganz praktisch auf die Projekte »Modellregion OWL« und das
geplante Cross-Border-Leasing-Geschäft mit der Stadtbahn-Infrastruktur. Beides
lehnte sie deutlich ab. Auf den Einwurf, dass die Arbeitsbedingungen bei einem
Megakonzern aber oft besser wären als der lokalen Klitsche des Bielefelder
Einzelhändlers, ging sie allerdings nicht ein. Ein
Kommentar von Manfred Horn: Das
magische Viereck
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